deviant art

Deviant Login Shop
 Join deviantART for FREE Take the Tour
[x]
more ▶

More from ~HikoUzumaki

Featured in Groups:

Details

November 3, 2012
3.1 KB
Link
Thumb

Statistics

Comments: 9
Favourites: 3 [who?]

Views: 60 (0 today)
[x]
Das Herz
Als ich eines Sommers bei Bekannten war, erblickte ich an einem sonnigen Morgen in ihrer belebten
Straße ein kleines Mädchen. Die Kleine mochte vielleicht sechs oder sieben Jahre alt sein und hatte
auf der Schulter ein fein säuberlich mit Filzstift aufgemaltes, formschönes Herz. Als sie zu einem der
Häuser hopste, kam sie an mir vorbei und lächelte mich warm an. Wir beide verlangsamten unseren
Schritt und sie erzählte fröhlich: „Ich gehe jetzt zu der lieben Frau Müller, sie hat Kekse gebacken.“
Sie ging befederten Schrittes weiter, und ich blieb nun vollends stehen und sah ihr hinterher. Ich
mochte es zu sehen, wie Kinder so unbeschwert durch ihr Leben gingen. Ohne Sorgen. Ohne
Probleme. Sie sind nur im Hier und Jetzt und erfreuen sich an der Gegenwart. Ich lächelte und rief ihr
noch hinterher: „Na dann wünsch ich dir viel Spaß!“, und fühlte mich für den Bruchteil einer Sekunde
selbst wie ein Kind. Auf meinem weiteren Weg durch die Straße verlor ich mich in den Erinnerungen
an meine Kindheit.
Ein paar Stunden später begegneten wir uns erneut. Diesmal bleiben wir beide voreinander stehen
und sahen uns an. Als ich sie musterte, fiel mir auf, dass zwei Teile von dem Herz farbig angemalt
waren. Sie sah mich mit ihren lebhaften blauen Augen an und erzählte, dass sie nach Frau Müller
noch Freunde besucht hatte.
Am Nachmittag überraschte sie mich von hinten mit einem lauten „Bu!“und lachte, als ich
zusammenzuckte. Das Herz hatte nun drei weitere bunte Flächen und die Kleine berichtete von drei
weiteren Besuchen bei Freunden und Leuten aus der Nachbarschaft. Und so bestand das Herz
Abends, bei Dämmerung, wo wir uns das letzte Mal trafen, aus sieben gefärbten und einer noch
freien Flächen, und der Tag dieses Kindes aus sieben verschiedenen Besuchen.
Bittend sah sie mir in die Augen und hielt mir einen hellgrünen Filzstift hin.
Während ich ihr den letzten Part ausmalte, lächelte sie und sagte: „Der Tag ging schnell rum.“ „Ja“,
entgegnete ich und richtete mich auf, „wenn man so viel unternimmt wie du heute.“ Nun lächelte ich
auch. Das Mädchen blinzelte kurz, kam dann auf mich zu und drückte mich, ehe sie die Straße
entlang lief, ich vermutete, nach Hause.
Am nächsten Vormittag sahen wir uns wieder. Unwillkürlich blickte ich auf ihre Schulter. Für einen
Moment verengten sich meine Pupillen. Ein großer, breiter Blitz war herzlos mit einem schwarzen
Stift aufgemalt worden. Als ich noch ein wenig genauer hinsah, bemerkte ich, dass wohl ziemlich fest
aufgedrückt worden war, denn die Konturen des Blitzes schimmerten rötlich.
Vorsichtig nahm ich ihren Arm und drehte ihn ein wenig, damit sie verstand was ich meinte und
fragte: „Wo… Wo warst du?“
Ihre Augen wurden glasig und sie starrte in die Ferne. Mit emotionsloser, leiser Stimme antwortete
sie: „Zuhause.“
:iconhikouzumaki:
Die hab ich in der Halloweennacht geschrieben, aber die Idee hatte ich schon länger im Kopf und da hatte ich halt Zeit.

Tja.. manche Leute können ihr Leid halt gut verstecken und sprechen nur durch Kleinigkeiten.
Add a Comment:
 
:iconpetemq:
~petemq Nov 16, 2012  Hobbyist Writer
Logikmäßig... naja, sagen wir so, ich habe nicht das Gefühl, dass Kinder diesen Alters so fröhlich rumlaufen, wenn sie zu Hause misshandelt werden, zumal sie dennoch eine starke Bindung an ihre Eltern haben.

Aber die Offenheit gefällt und überzeugt (ich habe selbst kleine Brüder in ähnlichem Alter), genau wie die charmante Symbolik.
Reply
:iconhikouzumaki:
hmm.. ich glaube das könnte es sein. :)
war auch nur so ein Gedanke den ich zu Papier gebracht habe, als ich grade relativ sauer/traurig war, deswegen ist das ganze vllt. ein wenig holprig..
Reply
:iconpetemq:
~petemq Nov 17, 2012  Hobbyist Writer
...aber genau von dieser ohne den moralischen Zeigefinger oder gewollten Kitschigkeit leicht übertriebenen Emotionalität lebt diese Geschichte ja auch.

Sartre schreibt in "Was ist Literatur?" über die Prosa: "Die Prosa ist ihrem Wesen nach utilitär; ich definiere den Prosaisten gerne als jemanden, der der Wörter sich bedient.
Und du bedienst dich der Worte und Handlung halt, um eine bestimmte Haltung auszudrücken, und ich sage: Die Symbolik kommt an!
Reply
:iconhikouzumaki:
stimmt okay danke :)
Reply
:iconmssilith:
~MsSilith Nov 4, 2012  Hobbyist General Artist
Oh das ist echt traurig :( Aber gut geschrieben:)
Mir ist logikmäßig nichts aufgefallen^^
Reply
:iconsolsteyn:
~Solsteyn Nov 3, 2012  Hobbyist General Artist
Die Geschichte ist traurig, aber wunderschön!
Reply
:iconhikouzumaki:
danke :)
ich habe irgendwie das gefühl, dass da logikmäßig was fehlt, ich weiß aber nicht was..
Reply
:iconla-nee:
~La-Nee Nov 4, 2012  Hobbyist Digital Artist
Ein Link zum Weißen Ring vllt? ^^
Reply
Add a Comment: